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Reinhard Sorge
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Zwiesang in Nacht

Nacht ist’s. Die goldne Harfe reicht mir Jesu.
Die goldnen Sterne wachen auf in Jesu.
Die goldne Seele singt in goldnen Wind.

Nacht ist’s. Mein Jesu rühret selbst die Saiten.
Ich darf mit meinem Lauschen Ihn begleiten.
Mein Jesu spielt und rühret Stern und Wind.

“Ich bin ein Herz der Welt, Ich suche Liebe.
Erzittert wer in unsagbarer Liebe?
Erzittert wer. Ich nehm ihn Mir zum Kind.”

“Mein Jesu, ich erzittere im Weinen.
Ich bin ganz fassungslos in Deinem Scheinen.
Ich bin ein Sünder, bin ich denn Dein Kind?”

“Du bist Mein Kind. Mein Herz sei deine Wohnung!
Der Liebe Tempel krönt dich mit Verschonung.
Am großen Tag umschwebst Mich harfenlind.

Du bist Mein Kind. Ich ziehe in die Ferne.
Ich steige auf zu unsteigbarem Sterne.
Ich schlug die Harfe, und Ich küßt Mein Kind.”



  • Reinhard Sorge

    Der Schriftsteller Reinhard Johannes Sorge wurde am 29.01.1892 in Berlin Rixdorf (Neuköln) geboren und ist ein bedeutender Vertreter der expressionistischen Dramatik.

    Zunächst im gutbürgerlichem Verhältnis aufgewachsen, musste seine Familie durch den Tod des Vaters kürzer treten, worauf er das Gymnasium verlassen musste.

    Nach Abbruch einer kaufmännischen Lehre zog er 1909 mit seiner Familie nach Jena wo er nach einem Jahr entschließt Schriftsteller zu werden.

    Fortan entstehen zahlreiche Werke, welche jedoch nur im geringen Umfang (4 Romane) vor seinem Tod am 20.07.1916 in Ablaincourt/Somme veröffentlicht wurden.

    Für sein Stück "Der Bettler" wurde er auf Vorschlag von Richard Dehmel mit dem Preis ausgezeichnet.

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